Hätte mir jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass ich mal über Marketing schreibe, hätte ich gelacht. Aber ich wage mich in diesen Bereich, weil ich in den letzten zwei Jahren selbst so tiefe Prozesse und Integrationen dazu erlebt habe. Und weil ich mir wünsche, dass Frauen, die mit ihrer tiefen Arbeit Geld verdienen wollen, diesen Prozess auch gehen. Denn Marketing ist für viele von ihnen der absolute Endgegner.
Ich habe in den letzten Jahren so viele Coaches, Mentorinnen und Healerinnen begleitet, die fantastische Arbeit machen. Sie verändern Leben und halten unglaublich tiefe Räume. Aber sobald sie über ihre Arbeit sprechen sollen, fühlt sich alles awkward an. Sie finden ihren Platz nicht, ihre Stimme nicht, und kommen sich vor wie eine Staubsaugerverkäuferin, als müssten sie jemand werden, der sie nicht sind. Also ziehen sie den Kopf ein, relativieren, posten drei Tage nichts, nennen ihren Preis nicht und hoffen, dass die richtigen Menschen sie einfach finden.
Dabei braucht es gleich am Anfang eine klare Unterscheidung. Marketing hat eine strategische Seite und eine somatische. Die somatische ist das Fundament, auf dem jede Strategie steht. Erst wenn sie trägt, kannst du konstant mit deiner Arbeit rausgehen und deine Menschen so begeistern, dass sie richtig Lust auf dich und deine Transformation haben. Denn Marketing berührt eine der ältesten Wunden im weiblichen Nervensystem.
Was Marketing in Wirklichkeit ist
Warum fühlt es sich für so viele Frauen leichter an, eine Klientin durch ihren tiefsten Schmerz zu begleiten, als konsistent über die eigene Arbeit zu sprechen und sich damit zu zeigen? Warum fällt es leichter, anderen ihren Wert zu spiegeln, als selbst Ressourcen für die eigene Arbeit zu beanspruchen?
Weil Marketing eine tiefere Intention hat. Es sagt: Ich beanspruche Raum. Ich beanspruche Aufmerksamkeit. Ich beanspruche Geld. Ich beanspruche Einfluss. Und genau dort beginnt der eigentliche Prozess, denn dort begegnen Frauen ihrer Instinktwunde.
Die Instinktwunde: was Biologie über Marketing erzählt
Ich komme aus der Spiritualität und habe mich in den letzten Jahren intensiv mit Biologie beschäftigt. Da ist bei mir der Groschen gefallen: Vieles, was ich auf spiritueller Ebene zu verstehen glaubte, erschien plötzlich in einem neuen Licht. Wir können uns selbst erst wirklich kennen, wenn wir unsere biologische Ebene begreifen und sehen, wie einfach sie mit unseren Überlebensstrategien und Identitätsmustern zusammenhängt.
Also lass uns ganz weit zurückgehen. Nicht zur Persönlichkeitsentwicklung und nicht zum Patriarchat, sondern noch davor. Wir sind zuallererst Säugetiere. Biologisch bedeutet Leben immer, Ressourcen zu sichern: Raum, Nahrung, Sicherheit, Einfluss. Auf dieser Ebene arbeite ich mit einem einfachen Bild für zwei Energien im Körper, der Raubtierenergie und der Beuteenergie.
Marketing ist auf dieser Ebene Raubtierenergie. Du gehst hinaus, machst dich sichtbar und sagst: Hier bin ich, das ist meine Arbeit, und ich möchte dafür bezahlt werden. Eine Löwin entschuldigt sich nicht dafür, dass sie jagt. Eine Wölfin wartet nicht, bis ihr jemand erlaubt, für ihr Rudel Nahrung zu holen. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Es hat damit zu tun, dass Leben Verantwortung bedeutet.
Warum Frauen beim Marketing kollabieren
Frauen wurden über Generationen nicht darin initiiert, Ressourcen zu beanspruchen. Wir wurden darin initiiert, gewählt zu werden: zu gefallen, uns anzupassen, zu warten, nicht zu viel zu wollen, nicht zu laut und nicht zu hungrig zu sein. Wir wurden darauf konditioniert, Beute zu sein.
Beute organisiert sich um Gefahr. Sie duckt sich, macht sich unsichtbar, friert ein. Ein Raubtier organisiert sich um Ressourcen. Es forscht, analysiert, wertet aus, entwickelt Strategien, verführt und spinnt ein Netz. Das meine ich ganz wertfrei, als reine Energie im Körper. Und genau deshalb fühlt sich Marketing für so viele Frauen falsch an: Ihr Raubtier ist eingesperrt, stigmatisiert und ruhiggestellt.
Dann kommen Sätze wie „Ich möchte niemanden nerven“, „Ich will nicht manipulativ sein“ oder „Ich will nicht verkaufen müssen“. Was da spricht, ist selten Wahrheit. Meistens ist es ein fehlendes Identitätsmuster. Es führt dazu, dass du deine Preise senkst, mehr gibst oder dein Angebot verbiegst, sobald jemand nicht sofort Ja sagt.
Die Schattenseite der Raubtierenergie
Dazu kommt, dass die meisten Frauen diese Energie nur aus ihrem Schatten kennen. Genau so funktioniert unintegres Marketing: mit Manipulation, falscher Verknappung, leeren Versprechen und Angst. Es zielt auf den verzweifeltsten Anteil in dir, den Teil, der alles tun würde, damit es endlich ganz schnell klappt. In vier Monaten zum Business mit 10k im Monat.
Wahrscheinlich warst du selbst schon Beute für teure Coaching-Angebote, die dich mit High Vibe eingeseift haben, und nach dem kurzen Dopamin-Kick kam der brutale Absturz. Kein Wunder, dass du denkst: So möchte ich niemals werden. Und so lehnen wir unbewusst jede Form von Marketing ab.
Was integre Raubtierenergie wirklich ist
Für mich bedeutet Raubtierenergie etwas völlig anderes als Dominanz, Lautstärke oder Ego. Sie ist der Mut, Ressourcen für das Leben zu beanspruchen, das durch dich entstehen möchte. Ich arbeite dafür immer mit drei Ebenen.
Dein Begehren ist dein Motor. Es beantwortet die Frage, warum du überhaupt losgehen willst. Deine Werte beantworten, wie du gehen möchtest. Und deine Mission beantwortet, wofür du überhaupt Raum beanspruchst. Erst dann wird Marketing integer. Dann verkaufst du nicht mehr, weil du Geld brauchst, sondern weil deine Arbeit Menschen erreichen soll.
Damit du verkaufen kannst, was du wirklich bewegen willst, ohne deinen Preis, deine Botschaft oder dein Angebot bei jedem Nein wieder kleiner zu machen.
Kapazität vor Content
Deshalb arbeite ich in Codes of Depth nie zuerst an Content, Positionierung oder Copywriting. Wir bauen zuerst Kapazität. Kann dein Nervensystem Sichtbarkeit halten? Kannst du dein Begehren halten? Kannst du einen Launch halten, ohne dass dein Selbstwert daran hängt? Kannst du einen Monat mit wenig Umsatz halten, ohne deine Mission infrage zu stellen? Kannst du Ressourcen beanspruchen, ohne dich dafür schuldig zu fühlen?
Das ist weibliche Autorität. Damit du sichtbar wirst für das, woran du wirklich glaubst, ohne nach drei unbeantworteten Storys deine Botschaft, dein Angebot oder deinen eigenen Wert infrage zu stellen.
Vielleicht lautet die eigentliche Frage also gar nicht „Wie werde ich besser im Marketing?“. Sondern: Kann ich die Frau werden, die keine Angst mehr davor hat, Ressourcen für das Leben zu beanspruchen, das sie führen möchte? Genau dort beginnt für mich Marketing, als Ausdruck deiner weiblichen Autorität. Und genau dort beginnt Leadership. From the Deep.
Diesen Text gibt es auch zum Hören: im Podcast Lead from the Deep, auf Spotify.
Häufige Fragen
Warum fühlt sich Marketing für so viele Frauen falsch an?
Weil Marketing im Kern bedeutet, Raum, Aufmerksamkeit, Geld und Einfluss zu beanspruchen. Viele Frauen wurden über Generationen darin geprägt, gewählt zu werden und sich anzupassen, statt Ressourcen für sich zu beanspruchen. Ihr Körper reagiert auf Sichtbarkeit deshalb mit Rückzug statt mit Lust, und das fühlt sich „falsch“ an, obwohl es ein fehlendes Identitätsmuster ist.
Was ist die Instinktwunde?
Mit Instinktwunde beschreibe ich die fehlende Verbindung zu der Energie in uns, die Ressourcen für das eigene Leben sichert. Biologisch gesprochen sind wir Säugetiere, und Leben heißt immer auch, Raum, Nahrung, Sicherheit und Einfluss zu sichern. Wo diese Energie nicht initiiert wurde, bleibt sie eingesperrt oder zeigt sich nur in ihrem Schatten.
Wie wird Marketing integer?
Wenn es aus drei Ebenen entsteht: Begehren als Motor (warum willst du losgehen?), Werte als Haltung (wie willst du gehen?) und Mission als Richtung (wofür beanspruchst du Raum?). Dann verkaufst du, weil deine Arbeit Menschen erreichen soll, und nicht aus Mangel.
Was hat Marketing mit dem Nervensystem zu tun?
Sichtbarkeit, ein Launch oder ein Monat mit wenig Umsatz sind für das Nervensystem Belastungsproben. Wer diese Zustände nicht halten kann, zieht sich zurück, relativiert oder wirft die eigene Mission über Bord. Deshalb braucht es zuerst Kapazität und dann Strategie.
Über die Autorin
Shanaz Bukhari ist Heilpraktikerin für Psychotherapie mit körpertherapeutischem Schwerpunkt, Kultur- und Religionswissenschaftlerin (M.A., LMU München) und Ausbilderin für somatische Prozessarbeit. In Codes of Depth begleitet sie Coaches und Frauen in Führung sechs Monate lang darin, ihre Intensität, ihr Begehren und ihre Mission zu führen.


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